Seltene Tektronix-Prototypen mit goldenem MC6800-Herzen

Manchmal stolpert man über ein Stück absolute Computergeschichte, das eigentlich in ein Museum gehört. Genau das ist mir vor Kurzem passiert: Ich konnte zwei extrem frühe Prozessor-Platinen des legendären Messgeräteherstellers Tektronix ergattern.

Für meine Sammlung von Keramik-ICs der 6800- und 68000-Generationen sind diese Boards ein absoluter Jackpot. Warum? Weil auf ihnen das sprichwörtliche „Gold der 70er Jahre“ verbaut ist.

Was sind das für Boards und wo wurden sie eingesetzt?

Bei den Platinen handelt es sich um das sogenannte A58 Processor Board von Tektronix. Diese Baugruppe bildete das logische „Gehirn“ der ersten intelligenten, tragbaren Mikrowellen-Spektrumanalysatoren der Welt: der Tektronix 490er-Serie (konkret den Modellen 492 und 496).

Als diese Geräte um 1979/1980 auf den Markt kamen, waren sie eine Sensation im High-End-Labor- und Militäreinsatz. Sie konnten Frequenzen von bis zu 21 GHz (und weit darüber hinaus) analysieren. Der Prozessor auf diesem Board übernahm dabei revolutionäre Aufgaben:

Die „Drei-Knopf-Bedienung“: Der Prozessor errechnete im Hintergrund automatisch das optimale Zusammenspiel aus Filterbandbreite, Videobandbreite und Sweep-Zeit.

On-Screen-Display (CRT-Readout): Er projizierte Frequenzen und Pegelwerte als Text direkt auf die Bildröhre.

Digitaler Speicher: Er steuerte das Einfrieren von Signalkurven („Max Hold“).

Das optische Highlight: Side-Brazier-Keramik in Perfektion

Das Herzstück der Boards ist die MC6800L-CPU – Motorolas allererste Prozessorgeneration (vorgestellt Ende 1974). Tektronix nutzte damals für seine sündhaft teuren Geräte nur die allerbeste Qualitätsstufe: Chips im wunderschönen Side-Brazier-Keramikgehäuse mit hochglanzvergoldetem Metalldeckel und vergoldeten Pins. Flankiert wird die CPU jeweils von zwei ebenso edlen MC6821L Peripherie-Schnittstellenbausteinen (PIA).

Die Sensation: Nullserie oder auch Prototypen-Status

Das Besondere an meinen beiden Boards ist ihr extrem frühes Alter. Normale Serienboards tragen die gedruckte Teilenummer 670-5542-00 (für die allererste Serie) oder 670-5542-01 (für spätere Revisionen). Meine Neuzugänge erzählen jedoch eine ganz eigene Geschichte aus der Fertigung und stammen offenbar aus derselben, hochspannenden Übergangsphase im Jahr 1979:

Board mit der handschriftlichen „00“ (ca. 1979): Auf diesem Board ist im Kupfer nur der Stamm 670-5542- zu sehen. Die Revisionsnummer -00 wurde hier ganz schwach per Hand (vermutlich mit einem feinen Edding oder Prüfstift) nachgetragen. Bestückt ist dieses Board mit der regulären CPU-Variante und dem Date-Code 7931 (Woche 31, 1979), flankiert vom PIA-Baustein aus der Woche 7932. Ein klares Zeichen, dass hier ein Ur-Platinenrohling für die erste offizielle Serie manuell freigegeben wurde!

Board ohne Nummer (ca. 1979): Auch hier fehlt die gedruckte Endziffer im Kupfer komplett – und es gibt nicht einmal eine handschriftliche Ergänzung. Das absolute Highlight auf diesem Board ist jedoch die CPU: Hier arbeitet die seltene Motorola-interne Custom-Bezeichnung SC7728A. Obwohl das Board 1979 bestückt wurde (wie die umliegenden TTL-Chips zeigen), hat Tektronix hier einen wertvollen, vorab-selektierten Chip aus dem Lager verbaut, dessen Maske bereits auf die 28. Woche 1977 zurückgeht!

Selbst optisch schreien die Platinen „70er Jahre“: Sie sind nicht modern-grün, sondern bestehen aus dem damals üblichen, ungefilterten grau-beigen FR-4-Glasfasermaterial, wodurch die goldenen Keramik-Chips umso spektakulärer zur Geltung kommen.

Was kam danach? (Die Nachfolger)

Die technologische Evolution blieb nicht stehen. Schon bald stieß der 8-Bit-Prozessor MC6800 an seine Grenzen, da die Messgeräte immer komplexere Rechenaufgaben (wie automatisierte Kalibrierungsroutinen) bewältigen mussten.

In den direkten Nachfolgemodellen der Serie (wie dem Tektronix 492A oder dem 494) wurde das Board komplett überarbeitet. Tektronix wechselte dort auf die nächste Generation: die 16-Bit-Architektur des Motorola 68000 (MC68000). Aus dem relativ kompakten A58-Board wurde eine deutlich größere, hochkomplexe Multi-Layer-Platine, und die edlen Side-Brazier-Gehäuse wichen im Laufe der 1980er Jahre den günstigeren Plastik- oder Standard-Keramik-DIPs.

Mein Fazit

Diese beiden Boards sind für mich ein absoluter Glücksgriff. Sie sind nicht nur erstklassige Ersatzteilträger, sondern im Originalzustand ein echtes zeithistorisches Gesamtkunstwerk. Dank der verbauten Präzisionssockel kann ich die kostbaren Goldkappen-CPUs für Detailfotos vorsichtig entnehmen und sie anschließend wieder auf ihren grauen „Heimat-Platinen“ einsetzen. Sie werden einen Ehrenplatz in meiner Vitrine bekommen!

Zusammengefasst

Die Teilenummer 670-5542-01 bezeichnet eine elektronische Baugruppe des Herstellers Tektronix Inc.. Es handelt sich dabei um die fertig bestückte Prozessor-Leiterplatte (Circuit Board Assembly: Processor), die spezifisch als das logische Gehirn in den legendären Spektrumanalysatoren der Serie 492 / 492P / 496 / 496P Verwendung findet. Die hier gezeigten Boards ohne gedruckte Suffix-Endnummer stellen die extrem seltenen, laborinternen Vorserien- und Entwicklungsmuster (M1-Prototypen) dar.

Technische Details

  • Bauteil: Leiterplattenbaugruppe (Processor CKT Board Assy)
  • Hersteller: Tektronix Inc. (CAGE-Code: 80009)
  • Verwendung: Komponente im Tektronix 496 / 496P Spektrumanalysator (Schaltkreis-Bezeichnung A58)
  • Serien-Referenz: Die spätere, kostenoptimierte Massenfertigung wurde offiziell unter der Teilenummer 670-5542-01 geführt (erkennbar an der Umstellung auf Kunststoff-DIP-ICs).